Erfahrung gegen Jugend: Die Finalisten der Vereinsmeisterschaft im Gespräch
Im Finale unserer diesjährigen Vereinsmeisterschaft stehen sich Titelverteidiger Matthias Back (47 Jahre,/LK 14,6) und sein Herausforderer Dario Neuhaus (24 Jahre/LK 15,5) gegenüber.
Wir haben die beiden Finalisten vorab kurz interviewt:
Herzlichen Glückwunsch zum Einzug ins Finale, Dario. Dein Halbfinale war ja ein echter Krimi. Was ging dir direkt nach dem letzten Punkt durch den Kopf und warum glaubst du, dass du das Match gewonnen hast?
Dario: Vielen Dank! Ja, das war wirklich ein extrem enges Spiel. Ich wusste, dass Tim ein sehr starker Gegner ist, vor allem mit seinem druckvollen Spiel. Das hätte ich nicht mitspielen können. Irgendwann hätte ich den Fehler gemacht oder wäre zu kurz geworden, was natürlich ein gefundenes Fressen für Tim ist.
Mein Matchplan war deshalb etwas defensiver ausgerichtet: Ich habe versucht, die Bälle mit viel Spin möglichst lang auf die Grundlinie zu spielen. So konnte ich meine eigenen Fehler minimieren und gleichzeitig Tim mit den langen, hoch abspringenden Bällen unter Druck setzen.
Im Match-Tiebreak musste ich bis zum 4. Matchball kämpfen, bis ich das Spiel endlich für
mich entscheiden konnte. In dem Moment habe ich eigentlich an gar nichts gedacht – es war einfach dieses überwältigende Gefühl von Freude und Erleichterung, den Titelfavoriten geschlagen zu haben, besonders nachdem ich in der Vorrunde deutlich gegen ihn verloren hatte.
Auch an dich einen herzlichen Glückwunsch zur erneuten Finalteilnahme, Matthias. Bei dir lief es nach der Nervenschlacht im Viertelfinale im Halbfinale deutlich besser. Was ging dir nach dem Sieg durch den Kopf und warum glaubst du, dass du gewonnen hast?
Matthias: Erstmal vielen Dank! Ich war nach dem Halbfinale nur erleichtert. Ich hatte im Viertelfinale gegen Martin eines absolut gebrauchten Tag erwischt und sehr schlecht gespielt. Insofern war ich einfach froh, dass ich wieder deutlich besser gespielt habe.
Felix hatte wie schon in der Vorrunde losgelegt wie die Feuerwehr und nach ein paar Minuten war ich gleich 0:2 im Rückstand. Mir war aber auch klar, dass ich der konstantere Spieler bin und einfach ruhig bleiben muss um ins Spiel zu finden. Das ist mir dann auch gelungen. Felix hat zwar weiterhin mit seiner Vorhand direkte Punkte gemacht, seine Fehlerquote vor allem auf der Rückhand war aber auch nicht ohne.
Dennoch war das Spiel knapper als es das Ergebnis von 6:3 und 6:1 ausdrückt, da doch die Mehrzahl der Spiele über Einstand gingen. Zudem standen wir uns fast 90 Minuten auf dem Platz gegenüber.
Mit welchem Wort würdest du deine bisherige Vereinsmeisterschaft beschrieben und warum?
Dario: Grandios – ich hatte nicht damit gerechnet, ins Finale zu kommen.
Matthias: Achterbahnfahrt – Die Vorrundenniederlage gegen Thomas hat wohl Spuren hinterlassen und das Viertelfinale gegen Martin würde ich gerne so schnell es geht vergessen. Es waren zwischendurch aber auch gute Matches dabei.
Wie findest du aus persönlicher Sicht deine bisherige (Sommer-)Saison?
Dario: Insgesamt bin ich mittlerweile zufrieden mit meiner Saison. Zu Beginn war ich in den
Medenspielen oft nervös und konnte nicht die Leistung abrufen, die ich mir gewünscht hatte – ganz nach dem Motto: „Das größte Duell im Tennis ist immer gegen sich selbst.“ Doch nach ein paar Spielen legte sich die Nervosität. In der After Work- und Mixed-Runde konnte ich dann wieder ganz befreit aufspielen und alle meine Einzel deutlich gewinnen. Dass ich es bei den Vereinsmeisterschaften bis ins Finale geschafft habe, hätte ich zu Saisonbeginn nicht gedacht, und das macht mich natürlich besonders stolz.
Matthias: Alles in allem schon gut. Die erste Hälfte war persönlich überragend mit zwei Siegen in der Medenrunde gegen LK10 und L11er Spieler. Danach dann ein bisschen ein Bruch aber als Mannschaft haben wir als Aufsteiger in der N1 vier von sechs Spielen gewonnen und waren die einzige Mannschaft, welche den Meister geschlagen hat. Zudem stehe ich zum fünften Mal in den letzten sechs Jahren im Finale der Clubmeisterschaft. Insofern gibt es nichts zu meckern.
Was erwartest du dir vom Finale?
Dario: Ich erwarte ein sehr enges und körperlich anstrengendes Finale. Matthias ist ein extrem zäher Gegner, der dir keinen Punkt schenkt. Er macht kaum eigene Fehler, spielt taktisch klug und platziert die Bälle äußerst präzise. Das zwingt dich dazu, ständig in Bewegung zu bleiben und jeden Punkt hart zu erarbeiten. Ich werde also nicht nur physisch, sondern auch mental voll gefordert sein, um die Konzentration über das gesamte Match hinweg aufrechtzuerhalten. Es wird darauf ankommen, geduldig zu bleiben und auf die richtigen Chancen zu warten, um Punkte zu machen.
Matthias: Ich hoffe wir sind beide gut drauf und es wird ein würdiges Finale über drei Sätze. Ich freue mich besonders, dass wir einen möglichen dritten Satz ausspielen und so etwas den „Lotteriecharakter“ rausnehmen. In einem Match-Tiebreak kann eine kurze Schwächephase von 3-4 leichten Fehlern ganz schnell eine Vorentscheidung bedeuten. In einem normalen Satz hat man halt ein Spiel verloren aber ist noch komplett im Match drin. Es wird auf jeden Fall ein Spiel auf Augenhöhe bei dem Kleinigkeiten entscheiden werden. Wir hatten bislang auch erst einmal einen Satz gegeneinander gespielt aber das ist natürlich mit dem Finale einer Clubmeisterschaft nicht zu vergleichen.
Was möchtest du deinem gegenüber vor dem Match mitgeben?
Dario: Ich wünsche uns allen ein spannendes Match. Am Ende soll derjenige gewinnen, der an diesem Tag das bessere Tennis abrufen kann. Egal wie es am Ende ausgeht, ich bin mir sicher, dass es ein intensives Duell wird, auf das wir beide stolz sein können.
Matthias: Nimm dir etwas Zeit mit Dario, einfach wird es gegen mich nie.
